Allgemeine Empfehlungen 
zur Haltung von Wassernattern (Natricinae)

Bearbeiter: Dr. D. SCHMIDT

02. Ausgabe (April 2004)

1. Vorbemerkungen

Seit den Anfängen der Terraristik gehören Wassernattern zu den bekanntesten und beliebtesten Schlangen. Landläufig werden sie immer wieder als Anfängerschlangen bezeichnet. Erfahrungen der letzten Jahre, besonders bei der Langzeithaltung, lassen allerdings Zweifel an dieser Behauptung aufkommen. Die Haltung wildlebender Tiere zum Zwecke der Liebhaberei oder Forschung verlangt ein hohes Maß an persönlicher Verantwortung gegenüber dem lebenden Tier. 
Mit dem vorliegenden Merkblatt, in das langjährige Erfahrungen zur Haltung von Wassernattern eingeflossen sind, sollen ein Mindestmaß an Sachkunde vermittelt und die Rahmenbedingungen für die Haltung dieser Schlangen abgesteckt werden. Es richtet sich vor allem an Personen, die sich ohne eigene Erfahrungen mit der Haltung von Wassernattern befassen wollen.

2. Was sind Wassernattern?

Natricinae, Schwimm- oder Wassernattern, sind eine Unterfamilie der Nattern (Colubridae). Sie sind weltweit verbreitet. Etwa 38 Gattungen sind bekannt. Die mittlere Körperlänge kann 0,5 bis 2 m betragen. Die Unterfamilie ist sehr uneinheitlich. Kopfbeschilderung und Rumpfbeschuppung - überwiegend aus gekielten Schuppen - entsprechen den allgemeinen Familienmerkmalen. Die Bezahnung hingegen ist sehr unterschiedlich. Einige Wassernattern besitzen Giftzähne, die denen von Trugnattern ähnlich sind. Sie haben schon tödliche Bißunfälle beim Menschen verursacht, wie Rhabdophis tigrinus. Andere Wassernattern (wie Natrix-, Nerodia- oder Thamnophis-Arten) sind dagegen völlig harmlos.
Für die terraristische Praxis werden die Wassernattern am besten nach ihrer Ökologie in drei Gruppen gegliedert:
1. an Land lebende, häufig wühlende Arten, die an feuchte Habitate, wie Wiesen, Sümpfe, Waldniederungen, aber nicht an offenes Wasser gebunden sind,
2. amphibisch lebende Arten, die im Wasser nach Fischen oder Fröschen jagen, sehr gut schwimmen und tauchen, stets aber trockene, warme Sonnenplätze benötigen. 
3. mehr im Wasser lebende Arten, die aber auch zum Sonnenbaden trockene Plätze aufsuchen. Sie verweilen aber auch sehr lange im Wasser, manchmal bis zu mehreren Tagen.
Für die Pflege im Terrarium sind daher unterschiedliche Terrarientypen notwendig.


3. Welche gesetzlichen Bestimmungen sind zu beachten?

Für einige Nattern der Unterfamilie Natricinae, die eines besonderen Schutzes bedürfen, gelten in der Bundesrepublik Deutschland nachstehende Bestimmungen: Generell sind alle europäische Wildtiere und Wildpflanzen geschützt. Auch die europäischen Wassernattern gehören dazu. Deren Entnahme aus der Natur ist verboten. Hingegen ist die Haltung von Tieren aus genehmigten Nachzuchten mit entsprechenden Papieren und Anmeldung bei den zuständigen Behörden erlaubt. 


Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES)
Zweistreifenstrumpfbandnatter (Thamnophis couchi hammondi)
Die Art ist im Anhang II eingetragen und ist, obwohl sie nicht notwendigerweise schon heute von der Ausrottung bedroht, dann gefährdet, wenn der Handel mit Exemplaren dieser Art nicht einer strengen Regelung unterworfen wird. Im internationalen Handel sind Einfuhr- und Ausfuhrgenehmigungen erforderlich.


Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege
(Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) Neufassung vom 11.3.1987 (BGBl. S. 899)

Anlage 1 - Nicht der Verordnung (EWG) Nr. 3626/82 unterliegende besonders geschützte Arten u.a.
die Würfelnatter (Natrix tessellata). Die Art ist als vom Aussterben bedroht eingestuft. 
Kriechtiere (Reptilia spp.) - alle europäischen Arten

Anlage 2 - Zusätzliche Vorschriften für der Verordnung (EWG) Nr. 3626/82 unterliegende Arten: Fischernatter (Xenochrophis piscator) - Populationen von Indien, Bangladesch, Thailand und Indonesien.

Rote Liste der bedrohten Tiere - IUCN
Existenzgefährdete Tierarten der Welt sind auch in der Roten Liste der IUCN eingetragen. 
Gefährdet (Kategorie II) - Arten oder Unterarten, deren Überleben unwahrscheinlich ist, wenn die sie bedrohten Faktoren weiter wirken können:
Sanfranciscostrumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis tetrataenia) 
Selten (Kategorie IV) - Arten oder Unterarten, die nur in kleinen Populationen vorkommen, noch nicht unmittelbar bedroht sind, deren Risiko aber in ihrem kleinen Verbreitungsgebiet liegt: 
Atlantische Salzmarschennatter (Nerodia fasciata taeniata)
Erieseewassernatter (Nerodia sipedon insularum)
Zweistreifenstrumpfbandnatter (Thamnophis couchi hammondi) 


4. Welche Anforderungen sollte ein Halter von Wassernattern erfüllen?

Zur Haltung von Tieren in Menschenhand gehört generell ein hohes Verantwortungsbewußtsein dem Tier gegenüber. Dieses umfaßt eine tierartgerechte Pflege und die konsequente Beachtung der Gesichtspunkte des Tierschutzes. An Terrarianer werden dabei besondere hohe Erwartungen gestellt. Eine Schlangenhaltung aus falschem Ehrgeiz, Imponiergehabe oder Renommiersucht ist abzulehnen. Die Aufsichtspflicht gegenüber Kindern und fremden Personen ist unbedingt zu beachten.


5. Welche Mindestanforderungen sind an eine tierartgerechte Haltung von Wassernattern 
zu stellen?

Wie erwähnt, richtet sich die Einrichtung eines Terrariums nach der ökologischen Herkunft der Tiere. Haltungstemperaturen wie auch die Notwendigkeit einer Winterruhe werden durch die geographische Herkunft der Tiere bestimmt. 
Für die Abmessungen eines Terrariums sind Größe und Anzahl der Bewohner von Bedeutung. Es sei hier auf das 1997 verabschiedete Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien (erarbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) verwiesen. Den Schlangen muss so viel Platz gewährt werden, daß sie ihre Verhaltensweisen, wie Beutefang oder Fortpflanzung, voll entfalten können, ohne sich dabei gegenseitig zu stören. 

Entsprechend ist auch das für sie artgemäße Terrarium herzurichten. In Abhängigkeit von der zu erwartenden Größe der Tiere, von ihrer Anzahl und nicht zuletzt von den allgemeinen Haltungsbedingungen sind die Ausmaße des Terrariums zu wählen. In einem größeren Terrarium lassen sich die erforderlichen unterschiedlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereiche überhaupt erst herstellen. Als Baumaterialien eignen sich Holz und Holzstoffe, Plexiglas, Glas, Kunststoffplatten verschiedenster Art wie auch Zementfaserplatten. Wegen der guten Reinigungsmöglichkeiten und den damit zusammenhängenden besseren Hygienebedingungen wird eine geeignete Glasbauweise empfohlen.

Die Belüftungsmöglichkeiten der Terrarien sollten nicht zu klein bemessen sein. Es darf dennoch keine Zugluft entstehen. Als Bodengrund eignen sich Kleintiereinstreu, Rindenmulch, Torf-Sand-Gemische und trockenes Moos. Kies und Sand sind weniger geeignet. Zur Quarantäne neuerworbener Tiere sollte das unter besonderen hygienischen Bedingungen eingerichtete Quarantäneterrarium mit Zeitungspapier ausgelegt werden. Die Größe des Wasserbeckens ist mindestens so groß zu wählen, daß ein Tier bei Bedarf darin untertauchen oder gegebenenfalls auch darin nach Fischen jagen kann. Als Kletteräste eignen sich getrocknete Naturäste aber auch Konstruktionen verschiedenster Art wie aus Kunststoff oder Kork. Die Unterschlupfmöglichkeiten müssen so groß sein, daß alle Tiere des Terrariums darin Platz finden können. Geeignete Materialien sind beispielsweise Baumstubben, Korkplatten, Blumentöpfe und Kunststoffbehälter. Beleuchtet wird mit mindestens einer der Terrarienlänge angepaßten Leuchtstoffröhre oder vergleichbaren Lichtquellen sowie Punktstrahlern für lokal intensivere Beleuchtung. Als Wärmequellen werden regelbare Hell- oder Dunkelstrahler empfohlen. Alle Licht- und Wärmequellen sind vor Berührung durch die Tiere sowie vor Spritzwasser zu schützen. Für besonders wärmeliebende Arten kann eine lokale Bodenheizung sinnvoll sein. 

Es gibt zwar für wildlebende Wassernattern eine vielseitige Futterliste, doch lassen sich viele Wassernattern im Terrarium leicht mit Fischen passender Größe, lebend oder tot, Fischfleischstreifen, seltener mit magerem Warmblüterfleisch, kleinen Mäusen, Nacktschnecken und Regenwürmern ernähren. Süßwasserfischen und der Verfütterung ganzer Fische entsprechender Größe ist der Vorzug zu geben. Bei der Auswahl der Fische muß daran gedacht werden, daß das Fleisch karpfenartiger Fische das Enzym Thiaminase enthält, das bei ausschließlicher Verfütterung zu Vitaminmangelerscheinungen führt. Regelmäßige Gaben von Vitamin-B-Komplex wie auch die eines Kalkpräparates als Futterergänzung werden empfohlen.
Bei der nur zeitweise möglichen Verabreichung von Fischfilet oder Warmblüterfleisch ist ein Calciumzusatz unbedingt erforderlich. Die Umstellung von Wassernattern, die in der Natur beispielsweise auf Amphibien spezialisiert sind, auf ein Ersatzfutter erfordert viel Erfahrung in der Schlangenpflege und gelingt nicht immer. Dem Anfänger sei daher von der Haltung solcher Schlangen abgeraten. 

Für eine artgerechte Haltung von Bedeutung ist bei einigen Arten eine kühle Überwinterung. Es wird eine Winterruhe von etwa zwei bis vier Monaten bei 4 bis 8 °C empfohlen. Dazu werden die Terrarientemperatur von 22 bis 30 °C sowie die tägliche Beleuchtungsdauer von etwa 14 Stunden langsam innerhalb einiger Wochen gesenkt. Die Schlangen können zur Winterruhe in eine vorbereitete Kiste umgesetzt werden. Als Füllmaterial kann Kleintiereinstreu oder eine Mischung aus Lauberde, Torf und Laub dienen.
Ein Gefäß mit frischem Wasser darf nicht fehlen. 

Für Arten aus gemäßigten Klimazonen ist eine Freilandhaltung mit geeigneten Überwinterungsmöglichkeiten möglich. Sie erfordert viel Erfahrung und ist deshalb nicht für den Anfänger zu empfehlen.


6. Welcher Umgang mit Wassernattern wird geraten?

Man muss sich vor Augen halten, daß es sich bei Wassernattern immer um in Menschenhand gehaltene Wildtiere handelt. Entsprechend ist mit den Tieren umzugehen. Die Tiere ständig zu stören, sie beispielsweise für Schauzwecke häufig aus ihrer gewohnten Umgebung zu holen oder die Terrarieneinrichtung häufig umzugestalten, ist unbedingt abzulehnen. Zur Haltung von Tieren in Menschenhand gehört also ein hohes Verantwortungsbewußtsein dem Tier gegenüber. 

Wegen der möglichen Giftbisse wird vor Sorglosigkeit beim Umgang mit Exemplaren der Gattungen Rhabdophis, Pseudoxenodon, Macropisthodon, Macropophis und Balanophis gewarnt. 

Wenig problematische Wassernatterarten sind beispielsweise Gebänderte Wassernattern (Nerodia fasciata) oder Strumpfbandnattern (Thamnophis sirtalis).